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Naturwissenschaft fasziniert sie seit ihrer Kindheit. Vor allem das gemeinsame Tüfteln an technischen Fragen und Problemen, an Optimierungen und innovativen Lösungen. Und weil sie das nicht nur besonnen und mit Leidenschaft macht, sondern auch richtig gut, wurde ihr bereits in ihrem zweiten regulären Arbeitsjahr die Leitung eines INNIO Leuchtturmprojekts übertragen: die Entwicklung des ersten 1-MW-Gasmotors, der neben Erdgas auch mit Wasserstoff betrieben wird. IN.INNIO im Gespräch mit Zita Baumann, Performance Engineer bei INNIO Jenbacher im Bereich Sondergase.


Zita, wann und warum hast Du dich entschieden, Maschinenwesen zu studieren?

Naturwissenschaften haben mich von klein an begeistert. Mein Vater ist Elektroingenieur, und ich durfte schon als Kind mit ihm an Schiffsmotoren schrauben. Diese gemeinsamen Stunden waren für mich genauso schön wie dann die Familienausfahrten auf der Donau.

Wann kamst Du nach Jenbach, und was waren Deine ersten Aufgaben hier?

Nach Abschluss meines Studiums an der TU München habe ich 2016 mit einem zweijährigen Traineeprogramm in Jenbach begonnen. Die erste meiner vier Stationen war im Emissionsteam, das aufgrund der immer strenger werdenden Regularien eine sehr wichtige Aufgabe erfüllt. Bei den Verbrennungsbetrachtungen im Performanceteam hatte ich dann zum ersten Mal mit Sondergasen zu tun. Im Designteam, meiner nächsten Station, ging es um die Basis: die Konstruktion unserer Motoren. Und im Serviceteam haben wir schließlich einen Bauteil aus der Serviceperspektive heraus optimiert. Im Anschluss an mein Traineeship habe ich dann im Sondergasteam zu arbeiten begonnen …

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"Bei diesem Projekt gab es viele erste Male, da wir vieles im Vorfeld nicht wissen konnten und Wasserstoff ein spannendes Verbrennungsmedium ist. Alle diese Herausforderungen haben wir gelöst!"

… wo Du nach nur gut einem Jahr mit der Entwicklungsleitung eines INNIO Leuchtturmprojekts, des ersten 1-MW-Wasserstoffmotors, betraut wurdest. Wie hast Du diese zwei Jahre von der Definitionsphase bis zum Projektabschluss erlebt?

Das war eine intensive Zeit, die von Herausforderungen und Weiterentwicklungen geprägt war. Denn sowohl die technischen als auch die leitenden Aufgaben waren neu für mich. Dabei hatte ich ein wirklich tolles und motiviertes Team an meiner Seite. Zwar konnten wir aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht abends mit einem Bier auf die Erfolge des Tages anstoßen, aber die gemeinsame Freude über erreichte Zwischenziele war immer wieder überwältigend.

Dieses für HanseWerk Natur in Hamburg realisierte Pilotprojekt kann gleich zwei weltweite Firsts für sich beanspruchen. Welche sind das genau?

Einerseits ist es der weltweit erste Großgasmotor der 1-MW-Klasse, der sowohl zu 100 % mit Erdgas als auch mit variablen Wasserstoff-Erdgas-Gemischen bis hin zu 100 % Wasserstoff betrieben werden kann. Und andererseits ist es auch die erste Anlage, die im Feld von Erdgas auf vollflexiblen Wasserstoffbetrieb umgerüstet wurde.

Was waren dabei die größten Herausforderungen?

Das Gesamtbild: die zeitkritische Entwicklung und Produktion, die Tests am Prüfstand, die Beschaffung der Teile und dann die First Fires – zuerst in Jenbach und dann in Hamburg, wo die (An)Spannung natürlich noch höher war. Bei diesem Projekt gab es viele erste Male, da wir vieles im Vorfeld nicht wissen konnten und Wasserstoff ein spannendes Verbrennungsmedium ist. Alle diese Herausforderungen haben wir gelöst!

Jenbacher Gasmotoren von INNIO laufen bereits seit 30 Jahren mit wasserstoffreichen Gasen – etwa Prozessgasen aus der Stahlproduktion, die einen Wasserstoffanteil von bis zu 70 Vol.-% aufweisen. Wie groß war der Schritt zum Einsatz von 100 % Wasserstoff?

Das war nicht nur ein Schritt, sondern ein großer Sprung. Denn der Motoraufbau unterscheidet sich in einem Punkt ganz wesentlich: Während in herkömmlichen Motoren der Brennstoff bereits nach dem Luftfilter zugemischt wird, erfolgt die Mischung beim Wasserstoff erst direkt vor der Brennkammer.

Wie wichtig war bzw. ist dieses Pilotprojekt für künftige Wasserstoff-Blockheizkraftwerke?

Mit dem Pilotprojekt der HanseWerk Natur in Hamburg-Othmarschen haben wir ein sehr wichtiges Zeichen gesetzt, dass wir im Feld installierte Erdgasmotoren brennstoffflexibel umbauen können und dass Gasmotoren eine wichtige Rolle in der Energiewende spielen.

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"Produktive Zusammenarbeit basiert für mich immer auf Respekt und Wertschätzung, unabhängig von persönlichen Unterschieden."

Europa will bis 2050 der weltweit erste klimaneutrale Kontinent sein. Wie schätzst Du die Bedeutung von Wasserstoff für dieses ehrgeizige Ziel ein?

Wasserstoff wird sicher weiter an Bedeutung gewinnen ¬– als Brennstoff und als Speichermedium. Die zwei wesentlichen Voraussetzungen dafür sind allerdings adäquate politische Rahmenbedingungen und Investitionen in Effizienz- und Kapazitätssteigerungen der Wasserstoffproduktion. Die Energielösung der Zukunft besteht sicherlich aus dem richtigen Mix verschiedener Technologien.

Unumgänglich ist die Frage nach Deinen Erfahrungen als Frau in der immer noch männerdominierten Technikwelt?

Im Engineering sind wir ein internationales, buntes und sehr aufgeschlossenes Team, in dem wir Diversität als Potenzial sehen. Produktive Zusammenarbeit basiert für mich immer auf Respekt und Wertschätzung, unabhängig von persönlichen Unterschieden. Ich muss aber auch dazusagen, dass ich als jüngste von fünf Schwestern schon früh gelernt habe, mich durchzusetzen. 

Daran anschließend: Was willst Du beruflich durchsetzen?

Für eine nachhaltige Energiewende müssen wir Alternativen zu Erdgas finden, und die liegen unter anderem in meinem Fachbereich, den Sondergasen. Ich will mit innovativen Motorenlösungen die Zukunft mitgestalten, unter der Devise: vom Pilotprojekt zum Zukunftsprodukt!

Zita Baumann über Ihr Pilotprojekt, dem ersten 1-MW-Wasserstoffmotor.

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